Hard Rock Café Innsbruck

Im ehemaligen Gasthaus Alt Insprugg gibt es nun Speisen, Getränke, ein Geschäft, Musik und Memorabilia diverser Musiker*innen. Innsbrucks Medienlandschaft, vom Bezirksblatt bis hin zum offiziellen Blog der Stadt Innsbruck schreibt wohlwollende Artikel und die politische Ebene freut sich natürlich auch sehr. Größere Betriebe sind hier schließlich meistens gern gesehen, da sie normalerweise neue Stellen, Touristen und somit auch Geld in die Stadt bringen. Neue Arbeitsplätze sind ja auch schön, die Speisekarte soll auch schön sein;
Na passt eh, aber was gibt es vom kulturellen / musikalischen / veranstaltungsmäßigen Standpunkt aus dazu zu denken?

Der ehemalige Weekender-Club Chef Andy ist hier der neue Marketing-Leiter und Booker des HRC-Ibk. Andy sagte nun in einem TT-Interview, dass er im HRC-Ibk nicht nur Coverbands (was für mich eher reine „Bespaßungsbands“ wären) eine Bühne bieten, sondern auch regionale und internationale Acts nach Innsbruck holen möchte. Im Lokal sind somit auch Veranstaltungen, sprich Konzerte, für bis zu 200 Besucher*innen geplant. Diese Konzerte sollen bei freiem Eintritt stattfinden und als ehemaliger Weekender-Booker wird der Schwerpunkt hier wohl auch in Richtung Alternative-Independent gehen.

Das klingt auf den ersten Blick hin ziemlich interessant; denn wer hat schließlich was gegen ein gratis Konzert? Als ein Unterstützer der lokalen Musik- und Konzertkultur, sollte ich mich darüber also primär freuen.
Interessant werden nun allerdings viele Frage sein; z.B. welche Künstler*innen im Endeffekt dort spielen werden? Wird sich das Hard Rock Café als ein Ort für Live-Kultur festigen können, oder wird die Skepsis der Musiker- und Besucher*innen überwiegen und es bleibt im Endeffekt nur die Filiale einer großen Kette?
Ich kann es momentan ehrlich gesagt überhaupt nicht sagen, stelle mir aber natürlich noch weitere Fragen, wie:

  • Rock hat im weitesten Sinne immer auch irgendwo etwas mit Rebellion zu tun (meiner Meinung nach). Natürlich ist ein Rock-Franchise in diesem Sinne fast schon ein Paradoxon, aber lassen wir dieses Thema erstmal gut sein…
    Aber: Kann/will eine Rockband mit Rebellions-Attitüde in einer großen Franchisefiliale spielen? Schlägt sich das? Muss es einem einfach Wurst sein?
  • Falls ja, würden einschlägige Besucher*innen dann aber auch dort hingehen? Vor allem in einer Stadt wie Innsbruck, in der Leute oftmals ohnehin nur auf Konzerte gehen, die entweder von ihren guten Bekannten organisiert wurden oder die an Orten stattfinden, die sie selbst als „würdig“, „ideologisch in Ordnung“ und „cool genug“ betrachten? Ich nehme mich da übrigens selbst nicht komplett aus.
  • Wie sieht es mit anderen Genres wie HipHop, Singer-Songwritern oder Bands mit elektronischen Einflüssen aus? Wäre das in einem „Hard Rock“ Café noch stimmig? Oder sollte man einfach die Rock-Partie durchfahren und die anderen Aspekte erstmals beiseite lassen? „Sollten“ sich andere Richtungen einfach ihre eigene Läden bauen?
  • Wie steht man zum leidigen Thema „Konzerte mit freiem Eintritt“? Was ist mit dem klassischen Argument „Was nichts kostet, ist nichts wert?“. Man bedenke die vielen kostenlosen Konzerte im Weekender Club, auf denen ich schon so ziemlich alles erlebt habe; vom guten Auftritt mit tollem Publikum, über Auftritte, bei denen die Leute einfach nicht dazu zu bewegen waren der Band ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit zu gönnen; bis hin zu Abenden, an denen stimmungsmäßig einfach mehrere Dinge nicht funktioniert haben. Sprich: Welche Erwartungen kann man an ein Lokalpublikum haben, das keinen Eintritt für Livemusik bezahlen muss/möchte?
  • Oder ist es einfach gut zu sehen, dass eine Kette, die genug Geld zur Verfügung hat, Angebote wie diese bei freiem Eintritt umsetzen kann?
  • In welcher Frequenz werden dort Veranstaltungen stattfinden? Zwingt man dadurch andere lokale Veranstalter*innen, die Eintritte kassieren müssen (um die Show umsetzen oder Gagen bestreiten zu können, etc), in die Knie?

Prinzipiell werde ich mir die Sache also erstmals ansehen müssen, denn ich möchte anfangs vom besten Fall ausgehen und mir vorstellen, dass dort interessante Shows stattfinden werden, die die Stadt und die lokale Konzertszene bereichern. Das wäre durchaus eine gute Sache. Den Rest muss ich einfach abwarten, bevor ich darüber mehr sagen kann.
Ich persönlich war in meinem Leben erst 1-2 Mal in einem Hardrock-Café (eher in jungen Jahren) und kann mich nicht mehr wirklich erinnern, wie es dort so ist bzw. wie es dort so abläuft. Aber natürlich habe auch ich das klassische Bild vor mir mit Burgern, Bier, großem Verkaufsshop, Musik von AC/DC im Hintergrund und so weiter… in diesem Fall wäre das nicht so meine Sache; aber wenn die Live-Shows passen, könnte es ja auch ein Ort für mich werden. Wir, werden, sehen.

Und zweitens, ein kleiner Fun Fact am Rande: Meine Freunde von Insanity Alert, eine der derzeit erfolgreichsten Tiroler Bands, haben Instrumente im Lokal hängen; somit kann man sich dort unter anderem auch den Bass von meinem guten Freund Moosi ansehen. High Five, mein Freund – Thrash till death

LINK zum HRC Innsbruck

Fotocredit: meinbezirk.at – Sara Erb – KLICK für Link zum Artikelinsanityalert-hrc copy

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