„Das kulturelle Tirol unterstützt die Bewerbung“ – Gegenpositionen

Die Pro-Olympia-Propaganda nimmt auf den letzten Metern die seltsamsten Ausmaße an. Am Dienstag fand im Innsbrucker Hofgarten eine Veranstaltung unter dem Titel „Das kulturelle Tirol unterstützt die Bewerbung statt“. Informationen darüber können HIER nachgelesen werden. Als VertreterInnen waren LH Günther Platter, LR Beate Palfrader, DJ Ötzi und der Intendant des Tiroler Landestheaters Johannes Reitmeier mit dabei. Was für eine schöne Sache und die beauftragte PR Agenturen P8 Marketing und pro.media haben dafür sicher wieder ein bisschen gutes Geld eingestrichen. Doch was ist DAS kulturelle Tirol? Alle im Lande kulturell arbeitenden Menschen? Alle hörigen Blasmusikkapellen und Schlager-SängerInnen? Auch alle in Tirol arbeitenden Guerilla-KunstaktivistInnen? Schwer zu sagen. Allerdings ist sicher, dass es sich dabei im Hofgarten um eine reine Werbeveranstaltung mit bekannten Gesichtern und inhaltlich völlig hohler Auseinandersetzung gehandelt hat. DAS kulturelle Tirol unterstützt nämlich überhaupt gar nichts. DAS kulturelle Tirol sind wir alle und die Kultur nun vor der Wahl als Lockmittel für eine unsinnige Olympia-Bewerbung einzusetzen, ist wirklich letzte Klasse.

Deshalb hat sich die pmk, gemeinsam mit vielen anderen Kultureinrichtung, zu diesem Statement entschieden; das bereits heute auch HIER in der Tiroler Tageszeitung nachgelesen werden kann.

Unter dem Titel „Das kulturelle Tirol unterstützt die Bewerbung“ fand am
Dienstag im Hofgarten eine Veranstaltung für die Olympiabewerbung
Innsbrucks/Tirols statt.

DAS kulturelle Tirol gibt es nicht. Wir UnterzeichnerInnen und
Kulturschaffende verwehren uns gegen die im angeführten Titel pauschal
formulierte Instrumentalisierung des “kulturellen Tirols” für die
Olympia-Bewerbung. Wir können im vorliegenden Bewerbungskonzept für die
Olympischen Winterspiele – in dem Kultur nicht vorkommt – keinen
Zusammenhang mit einer nachhaltigen und positiven Kulturentwicklung in
Tirol erkennen. Denn zur Förderung und Weiterentwicklung der vielfältigen
Kulturszenen in allen Landesteilen bedarf es gezielter und längerfristig
angelegter Maßnahmen. Darüber hinaus bindet die Fokussierung auf ein
derartiges Großprojekt finanzielle Ressourcen auf Jahre. Vielmehr braucht es
die Förderung und kontinuierliche Weiterentwicklung der bestehenden
Kulturszenen, die das Leben in Tirol das ganze Jahr hindurch prägen. Tirol
braucht zukunftsfähige kulturelle Strategien auf vielen Ebenen, die mit
keinem Wort im vorliegenden Konzept vorkommen. Genau so intensiv und
freigiebig wie im Bereich Sport, muss man sich in Tirol auch in der Kultur
finanziell engagieren. Das ist derzeit leider bei weitem nicht der Fall.
Es geht deshalb nicht um „Sport“ gegen „Kunst“, sondern beide – Sport und
Kunst – gehören zur unverzichtbaren kulturellen Grundausstattung der
Gesellschaft.

8ung Kultur
ArchFem
aut. architektur und tirol
Die Bäckerei – Kulturbackstube
Die Selch
Freies Theater Innsbruck
FREIRAD Freies Radio Innsbruck
Galerie St. Barbara (Osterfestival Tirol, musik+)
Heart of Noise Festival
Initiative Minderheiten Tirol
Kabarettfestival frisch & fröhlich
Künstlerhaus Büchsenhausen
Kulturinitiative Feuerwerk
Kulturlabor Stromboli
Kulturverein Grammophon
Kulturverein Inzing
Literaturhaus am Inn
Markus Koschuh
Musik Kultur St. Johann
Otto Preminger – Institut (Cinematograph & Leokino)
p.m.k plattform mobile kulturinitiativen
Pro Vita Alpina Österreich
Theater praesent
TKI – Tiroler Kulturinitiativen
Tiroler Künstler*schaft
Treibhaus
Verein tON/NOt
WEI SRAUM Designforum Tirol
Wetterleuchten Festival
Workstation

Treibhaus Intendant Norbert Pleifer hat dazu ebenfalls ein Statement verfasst, welches auch HIER in der Tiroler Tageszeitung besprochen wurde:

Norbert K Pleifer auf Facebook 12. Oktober 2017:
„„Das kulturelle Tirol unterstützt die Bewerbung“ – behaupten Platter, Palfrader und Oppitz-Plörer. Skeptiker sind im Umkehrschluß kulturlose Gesellen oder gar Barbaren. Als Kronzeugen rufen sie DJ Ötzi, den Landestheaterintendanten und Gregor Bloeb auf – eine Lachnummer sondergleichen – wenn da nicht der Kulturszene 40 Millionen als Köder versprochen worden wär – der im Halse stecken bleibt.
Dieses Schauspiel widert mich an, riecht nach Bestechung und Belohnung für Willfährigkeit, klingt nach „Milch und Honig“ für die Kultur und nach „Brot und Spiele“ für das Volk.
*
„wes Brot ich ess des Lied ich sing“ ist der Minnesang, der im Auftrag der Landesregierung 2026 im Landestheater uraufgeführt wird – nach einem Libretto des Intendanten Reitmeier, der sich als profunder Kenner des Lobliedes geoutet hat.
*
Ich gratuliere dem Landestheaterintendanten zu seiner neuen Aufgabe als Sprecher der freien Szene und der Tiroler Kulturinitiativen: „Auch für die freie Kunst sehe er eine große Chance, sich in vielfältiger Weise – auch kritisch – mit den Spielen auseinanderzusetzen.”
Das ist wahrhaftig. und eine Ansage: Kritik ist zugelassen – 2026, die dann hochsubventioniert – doch bis dahin wird brav gekuscht.
*
PS: es ist nicht so, als hätt man nicht versucht, auch mich zu ködern für diese beispiellose pro-olympia hirnwäsche. „norbert, mir machn olympia – und du machsch a kulturrahmenprogramm“ – zuletzt vor zeugen bei der olympia arena im orf. das schlimme ist, es sind alle so nett und merken die korrumpierende absicht gar nicht – sie glauben sogar, es gut zu meinen….
*
Das Original-Foto zur Pressekonferenz. Bildunterschrift: Tiroler Kulturschaffende für Olympia.
Ein Schelm, wer bei den fähnchenschwingenden Kulturschaffenden die versammelte Junge ÖVP Innsbruck/Stadt sieht?“

Foto (c) www.olympia2026.at
Untertitel eingefügt von Norbert Pleifer
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Und hier der ursprüngliche Artikel aus der Tiroler Tageszeitungdaskulturelletirol

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