Tournotiz Naileater 01_18

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Sich während eines Konzerts selbst mit einer Metallkette strangulieren; wahrscheinlich müsste man sich etwas Zeit dafür nehmen, um die damit verbundenen Für und Wider abzuwägen. Letzten Endes war es aber zumindest nicht unamüsant diesem Menschen dabei zuzusehen, wie er an einem Samstag Abend mit sich selbst im Publikum Gassi ging. Touren ist bekanntlich ein Amalgam aus warten, fahren, essen und Situationskomik – also eine Verdichtung der alltäglichen Umstände auf engem Raum. Durchzogen wird dieser Zustand durch Gedanken darüber, welche Farbe das heutige Abendessen wohl haben wird (rot) und auf was für eine Anlage man sich in der Venue einstellen kann (laut). Prinzipiell macht man auch immer wieder die Erfahrung, dass die meisten Leute die man in der Venue trifft relativ ähnlich sind (nett) und die Anzahl der vorhandenen Sticker immer dieselbe sein muss (in rauhen Mengen). Zu Hinterfragen bleibt nichtsdestoweniger das Verhalten von Menschen im halböffentlichen Raum der Autobahnraststätte (schlimm) und die Songauswahl prinzipiell aller Radiosender außer Ö1 (whack). Trotz alledem findet man in dieser unüberschaubaren Menschenauswahl auch immer gewisse Perlen, wie Leute, die sich – wie schon gesagt – selbst an Ketten durchs Leben ziehen oder neue Bekannte, die froh darüber sind, dass man von irgendwo her kam, um vor ihnen laute, wütende Lieder zu spielen. Wenn Andreas Göttlich nun also sagt „Wer nicht weiß, worauf er wartet, der weiß zunächst nicht, dass er überhaupt wartet”, sollte man im Zweifelsfall ins nächstgelegene Vehikel steigen und irgendeine Abzweigung in Richtung lauter Punk Musik einschlagen. Irgendwann wird dabei auch verstanden worden sein weshalb.
– David Prieth, 19.02.19

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