OHNE THEORIE KEINE REVOLUTION 2: TECHNO

DONNERSTAG, 31.05.2018

Ein Gespräch mit
SASCHA KÖSCH (de:Bug Magazin/DJ Bleed)
JOCHEN BONZ (Universität Hildesheim/UIBK)
MATTHIAS PASDZIERNY (Universität der Künste Berlin)
BIANCA LUDEWIG (Universität Wien)
RROSE (Techno/Experimental/Mixed Gender)

im Rahmen des Heart of Noise Festival / Innsbruck 2018
Das Gespräch findet auf Englisch statt

Deutsch:
OHNE THEORIE KEINE REVOLUTION
EINHEIT 2: TECHNO

Nachdem Techno zum Kulturerbe erklärt wurde – jedenfalls vom Finanzgericht Berlin Brandenburg -, und dadurch unter anderem das Berghain weniger Steuern zahlen muss, könnte man sagen, dass Techno endgültig und mit Bässen und Hi-Hats in die böse Kulturindustrie a la Adorno hineinaddiert wurde. Könnte man. Aber warum immer gleich die Adornokarte ausspielen? Schließlich geht und ging es im Techno und der damit verbundenen Klubkultur immer schon um Hedonismus, Massenkultur und nicht zu vergessen die eine oder andere Fun-Substanz. Also war Techno immer schon grundlegender Bestandteil der Verwertungslogik in der Kulturindustrie!? Nimmt man das Label Underground Resistance, das sich dezidiert einer politischen Agenda verschrieben hat als Gegenbeispiel heran, kann man dadurch auch nicht eine ganze Szene vor der großen Schuld retten!? Die dringliche Frage wäre, kann man heutzutage politisch tanzen? Oder besser gesagt, kann man die Königinnen der Nacht als metropolenrelevante Anarchisten betrachten, oder ist das ein Schönreden von kurzzeitigem Eskapismus? Mit kulturpessimistischen Thesen reiht man sich heutzutage in die Elite der Popkulturtheorie ein. Seien es Mark Fisher, Georg Seeßlen oder auch the pope himself Diedrichsen, alle eint ein mehr oder weniger großes Verfallsmotiv von Pop. Im Gegensatz zur No-Wave Bewegung die für sich eine Absage an die Zukunft getroffen hat, glaubt beispielsweise Mark Fisher, dass wir gar keine Zukunft mehr zur Verfügung hätten, da wir nur noch in einer Retrokultur leben. In einem ewigen Kreislauf aus Zitaten und 1 zu 1 Affirmationen ist die Popkultur zum rasenden Stillstand gekommen. Die These auf Techno angewendet, könnte man sich fragen, wen juckts, wenn ich dazu tanzen und aus-rasten kann?

Ort: aut. architektur und tirol
im Adambräu
Lois Welzenbacher Platz 1
6020 Innsbruck, Austria

Eintritt (frei)willige Spenden

English:
NO REVOLUTION WITHOUT THEORY
UNIT 2: TECHNO

After techno has been declared a cultural heritage – at least by the Finanzgericht Berlin-Brandenburg –, which lead to fewer taxes for the Berghain, among others, you might say that to the sound of basses and hi-hats, techno has ultimately been added to the evil culture industry à la Adorno. You could. But why always immediately play the Adorno card? After all, techno and its associated club culture are and have always been about hedonism, mass culture and not to mention various kinds of fun substances. That means techno has always been a fundamental part of the logic of exploitation in the culture industry!? If we take the label Underground Resistance, which firmly dedicates itself to a political agenda, as a counterexample, we cannot therefore save a whole scene from the great guilt!? The pressing question would be: Is it possible to dance in a political way today? Or, rather, can we regard the queens of the night as anarchists or would this only be whitewashing a form of short-term escapism? Nowadays, culturally pessimistic theses allow you to join the elite of the theories of pop culture. Be it Mark Fisher, Georg Seeßlen or “the pope himself” Diedrichsen, the thing that unites them all is a more or less substantial ruin motif of pop. In contrast to the No-Wave movement, which for itself has rejected the future, Mark Fisher, for example, believes that there is no future available for us anymore because we only live in a retro culture. In a never-ending cycle of quotes and 1-to-1 affirmations, pop culture has reached the state of polar inertia. If we applied this thesis to techno, we could ask ourselves: Who cares as long as we can dance and flip out to its sound?

Date: 20.05.2018
Start: 15:00 Uhr
Venue: aut. architektur und tirol
im Adambräu
Lois Welzenbacher Platz 1

Admission: voluntary donation

Das Projekt wurde im Rahmen der „stadt_potenziale innsbruck 2018“ und „TKI open 17_genug“ gefördert.

Foto:
bumm bumm bumm (c) christoph hinterhuber
chinterhuber.com
Bildrecht Wien

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