Antwort aus dem Bundeskanzleramt; was soll man dazu sagen?

Heute Morgen habe ich Post aus dem Bundeskanzleramt erhalten, meine übermittelte bedruckte Klopapierrolle betreffend. Darin wird mir mitgeteilt, dass sich die Bundesregierung „sowohl in ihrem Regierungsprogramm als auch durch ihre tägliche Arbeit unmissverständlich und in aller Klarheit zu den Menschenrechten“ bekennt. So nett sich dieser Text liest, so nichtssagend ist er auch. No na, das weiß man eh. Das weißt du/er/sie/es und mir selbst wurde das nochmals klarer deutlich, als ich in der Rechtssache „Haute Couture STRaßen CHEf*in“, solchem Unfug ausgesetzt war. Was soll man mit solchen Worten wie „unmissverständlich“ anfangen, wenn sie keinen Inhalt mehr transportieren? Ist die Sprache an sich inzwischen beschädigt, weils eh schon wurscht ist? Keine Ahnung.

Inwiefern sich die Bundesregierung „unmissverständlich“ zu den Menschenrechten bekennt, ist wahrscheinlich nicht nur mir ein Rätsel. Wenn pausenlos sozialer Raubbau auf Kosten von schlechter-gestellten betrieben wird; wenn in einer Tour Stimmung gegen „den Islam“ gemacht wird, weil der nicht „zu unserem Österreich“ passt; wenn flüchtende Menschen sehenden Auges in unsichere Herkunftsländer abgeschoben werden und die sich teils sogar lieber umbringen, als dorthin zurückzukehren; dann weiß ich nicht, was ich mit so einem Zettel anfangen soll. Wer einmal ein Gespräch mit einem Menschen geführt hat, der so eine Fluchterfahrung hinter sich hat, kann nicht mehr derart leichtfertig solche Briefe schreiben. Schon klar, dass ich die Weisheit auch nicht mit dem Löffel gefressen habe, das behaupte ich auch nicht. Vielleicht muss ich es mir auch einfach nur besser erklären lassen, wie das alles gemeint sein soll. Warum ich das alles ganz anders sehen müsste. Vielleicht kann es mir aber der geschäftsführende Klubobmann der FPÖ – Herr Gudenus – erklären und wieder ein lustiges Paint-Erklärvideo dazu posten. Vielleicht wissen der Comic-Ali und der Comic-Mustafa ja was in Zeiten wie diesen zu tun ist.

An und für sich nett, dass sich Frau Kaim die Zeit genommen hat, um mir zu antworten. Ich würde den Job ungern machen wollen und hätte mir selbst wahrscheinlich nicht geantwortet. Inzwischen freue ich mich ja schon über alle menschlichen Kleinigkeiten, und wenn das nur bedeutet, dass man einen guten alten Brief per Post bekommt. Wenn ich allerdings drüber nachdenke, weiß ich noch nicht, ob ich wirklich die Facebook-Seite der Bundesregierung besuchen und dort Sachen mit „gefällt mir“ markieren möchte. Wenn der aktuelle „neue Stil“ unserer Regierung das ist, was diese unter „aller Klarheit“ und „unmissverständlich“ als die Wahrung der Menschenrechte versteht, muss ich in dieser Hinsicht leider passen.

 

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