Heimatnotiz Hard Rock Café (2017)

Heimatnotiz;
Ich bin kein Arzt und das ist auch gut so; das selbstindizierte Absetzen der Tabletten beschert mir zwar seit wenigen Tagen die einen oder anderen Geister in den Spiegelflächen, lässt mein Fundament allerdings zumindet wieder in seinen Ansätzen brennen

Auf der SNES Version von Donkey Kong Country 3 gibt es zwei spiebare Charaktere – Kiddy und Dixie Kong. Kiddy ist männlich, groß und stark; Dixie ist weiblich, schlank und wendig. Wenn man mit Kiddy, Dixie aufhebt und durch die Luft wirbelt, kann man im Spiel diverse Orte erreichen, die man alleine niemals sehen würde. Es kann allerdings auch passieren, dass man als Kiddy, Dixie zu fest gegen eine Wand schießt und dann liegt sie nur noch benommen am Boden und man hat damit gar nichts erreicht und es ist alles nur ein großer Haufen Scheiße.
Ich beschließe, dass jetzt ein guter Moment wäre, alleine das neu eröffnete Hard Rock Café zu besuchen

Auf dem Weg durch die Maria Theresien Straße begegne ich zwei obdachlosen Männern, die sich, in ihren Schlafsäcken liegend, gegenseitig beschimpfen. „Wenn du noch länger so gescheit tust, ficke ich deine Alte die ganze Nacht“, meint einer. Der zweite Typ packt seine Sachen und verlässt seinen Schlafplatz. Ich stelle mir im Vorbeigehen die Frage, ob Männer, egal ob sie nichts zu fressen haben und auf schmutzigem Asphalt liegen, immer noch die selben Arschlöcher bleiben, als wenn sie viel Geld verdienen und schöne Autos fahren. Die Antwort ist sehr ernüchternd und ich betrete mit einem beschissenen Flickern in den Augenwinkeln die neue Franchise-Bar

Der erste Eindruck des Soundtracks ist gut. Es laufen Iron Maiden, Jamens Brown und Thin Lizzy. Obwohl etwas in die Richtung zu erwarten war, bin ich beruhigt. An der Bar werde ich von einem attraktiven Kellner bedient und lasse mir ein Bier bringen; neben mir faselt ein offensichtlich besser-situierter Mensch etwas vom Rauchverbot und versucht dabei irgendwen für sein Gerede zu interessieren. Ich finde diesen Menschen im grauen Anzug etwas scheiße und beschließe mir die Exponate anzusehen. Ich finde schöne Stücke von Prince, Mötley Crüe und anderen Vertrauten – bleibe allerdings vor Moosis Bass stehen und schieße ein Foto

Auf dem Klo ist mir schlecht und ich kann glücklicherweise in ein leeres Privatklo kotzen; derzeit ist niemand vor Ort

Anschließend sehe ich mir die restlichen Ausstellungsstücke an und befinde einige davon für schön. An meinem Bar-Platz angekommen, sitzt der Mann im grauen Anzug immer noch dort. Da ich immer noch ein leichtes Flackern an den Rändern meines Gesichtsfeldes bemerke, bezahle ich hastig meine Rechnung. Eventuell sollte man diese Dinge etwas geplanter und nicht zu radikal angehen. Zur Sicherheit verabschiede ich mich von niemandem und verlasse die Bar

Die Nachtluft tut wie immer gut und ich gehe noch auf ein Bier ins Prometheus. Dort ist es Anfangs schön, leer und stickig

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