Reisenotiz Katowice (2017)

Reisenotiz;
Ich versuche seit Längerem etwas Vernünftiges zu Papier zu bringen. Die Tabletten erfüllen ihren Zweck, halten die Lebensmoral hoch, und kübeln dabei Abgründe als auch Potential mit Material zu. Zunehmend komme ich mir dabei selbst uninteressanter vor. Mir fällt auf, dass ich damit beginne, Menschen nicht aus Bosheit heraus, sondern aus Langeweile anzufeinden

Auf der Höhe von Otokovice sind sind wir betrunken und jeder hört über Kopfhörer für sich Musik.
Ein Schaffner öffnet die Türe des Abteils und fragt auf Englisch nach den Tickets. Die Eltern der beiden polnischen Mädchen in unserem Abteil holen sich gerade im Bordbistro ihr Bier. Ich versuche aus der Situation das Beste zu machen und mir vorzustellen, dass auch ich ein solcher Elternteil sein könnte

Die Frau mittleren Alters neben mir erinnert mich sehr an die Mutter einer Exfreundin vergangener Tage und ich komme mir auf einmal zunehmend lächerlicher vor. Ich erwische uns dabei, dass wir gezwungenermaßen versuchen ‚edgy‘ zu wirken; ‚wilde‘ Musik über Kopfhörer hören, tättowiert sein und so Scheiße. Wahrscheinlich hat diese Frau in ihrem Leben schon mehr und tiefergehende Sorgen erlebt, als mir ‚Some Girls‘ in ihrem Anti-Hit „Deathface“ momentan jemals ins Ohr brüllen könnten. Unschlüßig eine befriedigende Lösung finden zu können, trinke ich weiter

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