Heimatnotiz Kaiserjägerstraße (2017)

Trinknotiz 24.04.17;
Es tut gut die südseitigen Ränder des Seuchenherdes kennen zu lernen.
Wahrscheinlich ist es auch einfach ernüchternd sich mit der Gewissheit zu beimpfen, mit was für einfachen Mitteln man Menschen einen negativen Lebenszugang mit auf den Weg geben kann.

Mir fällt schon länger auf, dass auch ich mit zunehmendem Alter unsymphatischer werde. Wahrscheinlich hat das mit dieser Altersintoleranz zu tun. Oder mit den „Szenen“ in denen ich verkehre. Wahrscheinlich mit beidem; Szenen sind ohnehin das Allerletzte.
„I don’t want to belong to any club that will accept people like me as a member“, sagte auch Groucho Marx einmal.

Wahrscheinlich war das auch das Problem sämtlicher Jugend- und Subkulturen, die anschließend – natürlich – aufgefressen, ausgeschlachtet und vermarktet wurden.
Wahrscheinlich ist es so, dass anstatt, dass wir uns Schnürlsamthosen mit dazupassenden beigen Stoffjacken kaufen, während wir dabei mit diesem verlausten Drecksköter Gassi gehend „die Jugend“ beschimpfen; uns lieber „sophisticated“ in schwarz kleiden, dabei über die Jahre exponentiell idealistischer und informierter vorkommen, beschissene (Nischen-)kunst konsumieren und anschließend genauso beginnen „die jungen Leute“ als das Ganze anzusprechen.

Wahrscheinlich ertappt man sich dann dabei, dass man auf diesem Thema nur deshalb so herumreitet, weil die sogenannte „Anti-Haltung“ „der jungen Leute“ in den eigenen Augen überhaupt „keine Anti-Haltung mehr“ ist. Ekelhaft.
Wahrscheinlich will man sich anschließend selbst nur noch betrunken aufs Maul hauen, weil man Gedanken dieser Art in erster Linie überhaupt zugelassen und sich irgendwann einmal geschworen hat, niemals zu dieser Art Mensch zu werden.

Wahrscheinlich sollte man sich aber stattdessen einfach besser auf diesen Sessel setzen, in der Stille winden und sich zunehmend klarer im eigenen Komaspiegel betrachten

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